Datum: 06.09.2026 (14.09.2026)
Die ElCom konkretisiert mit ihrer Mitteilung «Netzdienliche Flexibilitätsnutzung von PV-Anlagen» vom 28. August 2026 die seit 1. Januar 2026 geltenden Bestimmungen zur vertraglichen Nutzung von Flexibilität.
Das Ziel eines sicheren und kosteneffizienten Verteilnetzes ist unbestritten. Zur Diskussion steht jedoch, wie Netzdienlichkeit, Wirtschaftlichkeit und Vergütung von PV-Flexibilität regulatorisch beurteilt werden sollen.
Zwei technisch identische PV-Anlagen stellen dem Netz dieselbe Flexibilität bereit. Trotzdem kann ihre anrechenbare Vergütung unterschiedlich ausfallen – weil der Strom unterschiedlich vermarktet wird oder eine Anlage durch Speicher und höheren Eigenverbrauch weniger Ertragsverlust aufweist.
Bewerten wir damit eigentlich das Richtige?
Die ElCom stellt für die Vergütung stark auf den individuellen monetären Ertragsverlust ab. Dabei beeinflussen sowohl der relevante Vergütungssatz als auch der Eigenverbrauchsanteil die Berechnung. Bei Speichern berücksichtigt die ElCom ausdrücklich, dass abgeregelte Energie teilweise selbst verbraucht oder zwischengespeichert werden kann.
Der physische Nutzen derselben Flexibilitätsdienstleistung für das Netz verändert sich dadurch jedoch nicht automatisch.
1. Gleiche Flexibilität – unterschiedlicher Preis?
Ertragsverlust des Produzenten, Netzwert der Flexibilität und Vertragspreis sind drei unterschiedliche wirtschaftliche Grössen. Warum soll der individuelle Ertragsverlust zentral für die anrechenbare Vergütung sein?
2. Muss der Netzengpass bereits bekannt sein?
Der weitere PV-Ausbau ist absehbar – unsicher sind vor allem Ort und Zeitpunkt. Kann frühzeitig beschaffte Flexibilität deshalb einen wirtschaftlichen Optionswert besitzen?
3. Was kostet der Nachweis der Wirtschaftlichkeit?
Netzsimulationen, Prognosen, Vertragsabwicklung und Monitoring verursachen selbst Kosten. Wie detailliert kann eine Einzelfallprüfung bei einer grossen Zahl kleiner PV-Anlagen noch wirtschaftlich sein?
4. Was passiert, wenn der VNB mit der Beschaffung wartet?
PV-Flexibilität kann zunehmend auch für Markt- und Systemdienstleistungen genutzt werden. Was heute verfügbar ist, muss morgen nicht mehr zu denselben Bedingungen beschaffbar sein.
5. Einzelfall oder Portfolio – warum nicht beides?
Könnte eine standardisierte, präventive Beschaffung mit periodischer Kontrolle der tatsächlichen Kosten und Netzwirkungen die individuelle Einzelfallprüfung sinnvoll ergänzen?
Titel: Netzdienliche Flexibilitätsnutzung von PV-Anlagen
Subtitel: Kritische Würdigung der ElCom-Methodik und Herleitung einer praxisorientierten regulatorischen Alternative
Autor: Lars Huber
Veröffentlichung: 06.09.2026
Aktualisierung: 14.09.2026
Aktuelle Version: V2026-09-14
Titel: Mitteilung zur Anwendungspräzisierung von PV-Flexibilitäten
Autor: ElCom
Veröffentlichung: 28.08.2026
Dokumente:
Mitteilung: Netzdienliche Flexibilitätsnutzung von PV-Anlagen: Mitteilung (28.08.2026)
Infografik: Netzdienliche Flexibilitätsnutzung von PV-Anlagen: Infografik (28.08.2026)
Berechnungstool: Netzdienliche Flexibilitätsnutzung von PV-Anlagen: Beispiele für die individuelle Berechnung der Vergütung (28.08.2026)